14.01.2026 | Parlament

Rede der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zur Begrüßung des polnischen Parlamentspräsidenten Włodzimierz Czarzasty

[Stenografischer Dienst]

Präsidentin Julia Klöckner:

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auf der Ehrentribüne begrüße ich wirklich sehr, sehr herzlich Seine Exzellenz den Marschall des Sejm der Republik Polen, Herrn Czarzasty. Schön, dass Sie da sind und mit Ihrer Delegation aus Warschau angereist sind! 

(Beifall)

Wir trafen uns gestern zum Gespräch. Wir waren beim noch temporären Denkmal für die polnischen Opfer von Krieg und deutscher Besatzung. Wir haben Kränze niedergelegt. Es ist schön, dass Sie da sind. Sie absolvieren Ihren ersten Auslandsbesuch hier in Deutschland. Wir danken Ihnen für dieses Zeichen. Wir sind sehr froh über die enge Freundschaft, die unser Land mit Polen heute wieder pflegt. Das ist gut. Das verbindet uns auch. Und ich weiß es, wie gesagt, sehr zu schätzen, dass Sie der erste Weg nach Ihrem Amtsantritt, zu dem wir Ihnen noch sehr herzlich gratulieren möchten, nach Berlin geführt hat. 

(Beifall)

In diesen Zeiten europapolitischer und geopolitischer Herausforderungen kommt der engen und freundschaftlichen bilateralen Beziehung zwischen unseren beiden Staaten und vor allen Dingen auch unseren beiden Parlamenten, zum Beispiel auch unserer Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe bzw. beiden Gruppen, eine ganz besondere Bedeutung zu. Wir freuen uns darauf, diese mit Ihnen und dem Sejm zu gestalten.

Ich bin sehr, sehr dankbar, dass wir gestern gemeinsam das feste Ziel verabreden konnten, zusammen mit Frankreich das Weimarer Dreieck auf unserer parlamentarischen Ebene endlich wieder aufleben zu lassen. Gemeinsam mit unseren französischen Freunden werden wir uns hierzu in diesem Jahr noch treffen. Also: Alle guten Wünsche für das parlamentarische Wirken von uns! Schön, dass Sie dieser Sitzung beiwohnen!

(Beifall)

28.01.2026 | Parlament

Rede von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

[Stenografischer Dienst]

(Einspielung: Originalton Charlotte Grunow) 

„Jemand, der nicht dabei gewesen ist, der wird gar nicht begreifen, wie furchtbar immer wieder diese rote, leuchtende Flamme in unserer Erinnerung steht. Wenn wir heute die Sonne untergehen sehen, denken wir an den Kamin in Auschwitz, der Tausende von Menschen hingerafft hat.“

Julia Klöckner, Präsidentin des Deutschen Bundestages: 

„… der Tausende von Menschen hingerafft hat.“ Das waren die Worte der Berlinerin Charlotte Grunow, die wir eben gehört haben. Sie sprach sie im April 1945 in ein Mikrofon der BBC.

Erst später wurde klar: Nicht Tausende waren es, sondern mehr als eine Million Menschen, die allein in Auschwitz umgebracht wurden. Mehr als sechs Millionen Juden wurden von Deutschen ermordet. Im Zweiten Weltkrieg starben wahrscheinlich mehr als 60 Millionen Menschen. Unvorstellbare Zahlen.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Sehr verehrte Frau Friedman! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrter Herr Bundesratspräsident! Sehr geehrter Herr Präsident des Bundesverfassungsgerichts! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Exzellenzen! Sehr geehrte Damen und Herren! Der 27. Januar 1945 - der Tag der Befreiung von Auschwitz - markiert nicht das Ende des Schreckens. Das Morden und das Sterben gingen noch monatelang weiter. In Neuengamme, in Buchenwald, in Flossenbürg. 

Im ostpreußischen Dorf Palmnicken wurden wenige Tage später 3.000 jüdische Frauen aus dem Lager Stutthof in die eiskalte Ostsee getrieben, erschossen, erschlagen. 

In Gardelegen pferchte die SS mit Wehrmacht- und Volkssturmtruppen über 1.000 KZ-Häftlinge in eine Scheune und zündete sie an. Die Trümmer rauchten noch, als die amerikanischen Soldaten den Ort einen Tag später erreichten. 

In Bergen-Belsen stießen die britischen Befreier auf mehr als 13.000 tote Körper, die über den Grund des Lagers verstreut lagen. Sie sprachen von einem „Teppich aus Leichen“. 

Hunderttausende starben in den letzten Kriegsmonaten an Hunger, an Seuchen, auf den Todesmärschen, durch Exekutionen. Die Erinnerungen und der Schmerz der Überlebenden blieben. Viele empfanden ihr Leben lang sogar eine Schuld: Warum habe ich überlebt - und nicht meine Eltern? Mein Ehepartner? Mein Kind? 

Gut drei Jahre nach dem Holocaust formulierten die Mütter und die Väter des Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat als erste Antwort auf diese millionenfache Entmenschlichung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ 

Unmittelbar nach dem Zivilisationsbruch war das ein Donnerschlag. Die Würde jedes Menschen ist unantastbar. 

Wenn wir uns heute zunehmend über Identitäten und Zugehörigkeiten definieren, verwischen wir das, was Artikel 1 in seinem Kern schützt: nicht die Gruppe, nicht ein Kollektiv, sondern das Individuum! Artikel 1 schützt den einzelnen Menschen in seiner Einzigartigkeit und in seiner Verletzlichkeit. Denn gerade die Shoa hat gezeigt, wohin es führt, wenn Menschen nur noch als Teil eines Kollektivs gesehen werden - als Nummer, als Kategorie. Aber das Grundgesetz setzt dagegen: Jeder Mensch zählt. Als Individuum.

Artikel 1 bindet den Staat. Er begrenzt Macht. Er schützt das Menschsein an sich. Der Satz steht am Anfang unserer Verfassung, weil er den äußersten Gegenentwurf zur untergegangenen Ordnung markiert. Es war ein Versprechen an all jene, die nicht mehr sprechen konnten, an all jene, derer wir heute gedenken. 

Es war ein Versprechen an die ermordeten Jüdinnen und Juden, die Toten der Sinti und Roma, die Opfer der slawischen Völker. Ein Versprechen an Millionen Menschen, die verfolgt, beraubt, gedemütigt, entrechtet, gequält und dem Tode preisgegeben wurden. Weil sie anders dachten, weil sie anders glaubten, weil sie anders liebten oder weil ihr Leben den Nationalsozialisten als „unwert“ erschien. Ein Versprechen an jene, die in Menschenversuchen missbraucht, die zwangssterilisiert, zu Tode gefoltert und einfach in den Ofen geworfen wurden. Auch an jene schwangeren Frauen, die missbraucht, an denen noch im neunten Monat Abtreibungsversuche vorgenommen wurden. 

Unser Versprechen geht an die, die entmenschlicht, entwürdigt und nur noch als Material betrachtet wurden. Denn diese Betrachtung war die Grundlage einer organisierten Massenvernichtung. Das dürfen wir niemals vergessen. Diese Entmenschlichung war nicht abstrakt, sie war sehr konkret. Es ist diese Szene in dem jüngst ausgestrahlten ARD-Film „Nürnberg 45 - Im Angesicht des Bösen“, die die Realität erschütternd wiedergibt:

(Einspielung: Filmausschnitt „Nürnberg 45 - Im Angesicht des Bösen“)

Material. Menschen als Versuchsware.

Wie können wir Menschen überhaupt zu solcher Entmenschlichung fähig sein? Wer dem Menschsein nicht aus sich heraus Würde und unverrückbare Rechte zubilligt, der ist zu einer solchen Entmenschlichung fähig.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, dieser Satz war ein Versprechen an die Zukunft in Deutschland. Mit Artikel 1 haben die Mütter und Väter des Grundgesetzes eine Grenze gezogen: bis hierher - und nie wieder darüber hinaus. 

Und das Versprechen ist nicht nur Wort geblieben; allerdings hat es lange bis zur Tat gebraucht. Spät hat sich die bundesdeutsche Gesellschaft mit ihrer Geschichte kritischer auseinandergesetzt und sich ihr zugewandt: durch Erinnerung, durch wissenschaftliche Auseinandersetzung, durch juristische Aufarbeitung. 

Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, auf dessen Initiative die Auschwitz-Prozesse in Gang gekommen sind, sagte es so:

(Einspielung: Originalton Fritz Bauer)

„Der Prozess soll der Welt zeigen, dass ein neues Deutschland, eine deutsche Demokratie gewillt ist, die Würde eines jeden Menschen zu wahren.“

Neben dem Auschwitz-Prozess gab es weitere entscheidende Etappen auf dem Weg zur geistigen, zur moralischen Rehabilitierung Deutschlands: der Kniefall Willy Brandts in Warschau, die Fernsehserie „Holocaust“ oder die Einführung dieses Gedenktages durch den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog vor genau 30 Jahren. 

Zu diesen Etappen gehört auch die Ausstellung, die wir ab heute hier im Deutschen Bundestag zeigen. Sie erinnert an Menschen, die wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden und dennoch im Deutschen Bundestag als Abgeordnete am demokratischen Neubeginn mitwirkten. Sie haben das Versprechen des Artikels 1 mit Leben erfüllt.

Doch keine Lehre ist für immer gelernt. Wir erleben, dass die Schlüsse, die wir früher schon gezogen hatten, heute ebenso verblassen wie die Erinnerungen. Der Hass wird gesellschaftsfähig. Selbst Kinder lernen ihn. Und wenige Wochen nach dem Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 befragte die Anne-Frank-Bildungsstätte hessische Schülerinnen und Schüler zu ihrer Meinung. Eine Elfjährige sagte - ich zitiere -: „Ich finde es schade, wenn palästinensische Kinder sterben, aber die Juden sind egal.“ So reden Kinder nicht von sich aus. Sie werden von Erwachsenen geprägt.

Einem Menschen seine Würde zu rauben, dafür bedarf es nicht erst physischer Gewalt. Sie wird verletzt, wenn Menschen systematisch herabgesetzt, bedroht, ausgeschlossen werden. So hat es damals begonnen. Es hat nicht mit den Gaskammern begonnen. Mit Worten hat es begonnen. Mit Ausgrenzung. Mit dem Wegschauen.

Es hat sich mittlerweile wieder ungeniert ein Hass auf Juden verbreitet, der so weit geht, dass sogar ein Terrorregime verteidigt wird, das Frauen und Mädchen dafür tötet, dass sie ihre Haare zeigen. Man solidarisiert sich mit Judenhassern und verschließt dabei die Augen vor anderen. 

Für Jüdinnen und Juden ist es auch in unserem Land gefährlicher geworden. Sie werden angegriffen, weil sie Juden sind. Auch Antisemitismusbeauftragte leben gefährlich: Angriffe und Brandstiftung wie jüngst in Brandenburg. Bekenner hinterlassen das Symbol der Hamas-Terroristen. Aber die öffentliche Empörung hält sich in Grenzen. Ist das Ausdruck von Gewohnheit?

Viele Jüdinnen und Juden im Land stellen sich deshalb jetzt wieder die Frage: Bleiben oder gehen? Diese Frage richtet sich an unser eigenes Selbstverständnis; denn die Garantie der Menschenwürde beschreibt, wofür dieses Land steht. Es muss die historische Selbstverständlichkeit Deutschlands, von uns sein: Jede Form der Ausgrenzung jüdischen Lebens widerspricht dem Wesen unseres Landes. 

Wer in diesem Land von Staatsräson redet, der muss sie bereits an diesem Punkt auch beginnen lassen. Sie wird nicht nur außerhalb unserer Grenzen verteidigt. Unsere Staatsräson beginnt auf der Berliner Sonnenallee, vor der Hauptsynagoge in München, auf den Schulhöfen, in den Hörsälen, bei X und bei TikTok. Sie zeigt sich im Schutz jüdischen Lebens bei uns in Deutschland. Sie zeigt sich in Empathie - und in konsequentem Vorgehen der Justiz gegen antisemitische Straftaten.

(Beifall)

Wer in Deutschland lebt, der lebt auch von der Freiheit und dem Schutz, die das Grundgesetz bietet. Wer den deutschen Pass besitzt - ob von Geburt an oder durch Einbürgerung -, hat den Rahmen dieser Ordnung zu respektieren. Er ist kein Vorschlag zur Güte. Er ist kategorischer Imperativ.

(Beifall)

Artikel 1 Absatz 1 unseres Grundgesetzes ist nicht nur ein Versprechen des Staates an mich, sondern unser aller Versprechen. Das jüdische Leben in Deutschland ist ein Prüfstein dafür, ob wir dieses Versprechen einlösen. Aber ehrlich gesagt, dieses Versprechen hat Risse bekommen. 

Wir erinnern nicht etwa, damit wir vergessen dürfen. Auch deshalb bin ich sehr dankbar, dass uns noch immer Überlebende der Shoa berichten können. Stellvertretend für alle Ehrengäste möchte ich namentlich Eva Szepesi, Charlotte Knobloch und Roman Schwarzman begrüßen, die an diesem Rednerpult schon gesprochen haben. Schön, dass Sie heute bei uns sind. Herzlichen Dank!

(Beifall)

Wer Bürgerin oder Bürger dieses Landes ist, darf dem Antisemitismus nicht gleichgültig gegenüberstehen, der darf nicht mit den Schultern zucken, wenn Juden an Häusern und Geschäften gekennzeichnet werden, wenn sie ausgeschlossen, angegangen und angegriffen werden. Als Deutsche tragen wir eine besondere Verantwortung, dem wieder aufkommenden Hass auf Juden entgegenzutreten - in der Schule, auch an der Universität, im Betrieb, auch im Verein, im Netz und im eigenen Freundeskreis.

Beim Gedanken an den Holocaust kannten in der Vergangenheit viele ganz persönlich die quälende Ambivalenz, die Widersprüche in der eigenen Familie. Wie ist es, den Vater oder Großvater zu lieben - und zugleich zu ahnen, dass er Schuld auf sich geladen hat?

Der Journalist Niklas Frank hat sich auf tiefste Weise damit auseinandergesetzt. Sein Vater war Hans Frank, Generalgouverneur im besetzten Polen. Er wurde wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Nürnberger Prozess zum Tode verurteilt. Die Schuld des Vaters hat bis heute tiefe Spuren auch in seiner Familie hinterlassen.

Lieber Niklas Frank, niemand hat sich so unbarmherzig mit der eigenen Herkunft auseinandergesetzt wie Sie. Ich begrüße Sie sehr herzlich auf der Tribüne unseres Deutschen Bundestages!

(Beifall)

Doch unsere Gesellschaft verändert sich. Viele Menschen, die heute hier leben, haben eine andere Beziehung zu Deutschland als Niklas Frank: Ihre Eltern und Großeltern sind nicht in Deutschland geboren. Was bedeutet das für unseren Umgang mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte? Manche sagen: Das ist nicht meine Geschichte. Das ist nicht die Geschichte meiner Familie. - Ich aber sage: Wenn es dein Land sein soll, dann ist es auch deine Geschichte!

(Beifall)

Und deshalb müssen wir uns zugleich auch mit der Zukunft des Gedenkens auseinandersetzen in einer Welt ohne Zeitzeugen. Diese Lücke darf nicht zum Vakuum werden. Wir müssen neue Wege finden, die Erinnerung lebendig zu halten. 

Meine Damen und Herren, viele Lagerhäftlinge hielt die Hoffnung auf ein besseres Später am Leben. Eine andere Welt, in der Menschenrechte wieder gelten, in der sie keine Nummern, sondern Namen tragen, in der sie ihre Freiheit und ihre Würde wiederhaben. Wir leben heute in diesem Später. Bei uns gelten die Menschenrechte. Wir leben in Freiheit. Nutzen wir diese Freiheit zum Guten!

Meine Damen und Herren, diese Verantwortung tragen wir weiter - auch in die nächste Generation. Unsere Jugendbegegnung hat dieses Jahr die Verfolgung von Frauen und Kindern im Nationalsozialismus zum Schwerpunkt. Das Leid von Frauen und Kindern unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde viel zu lange übersehen. 

Einer der Menschen, der uns dabei hilft, das Unvorstellbare begreifbar zu machen, ist Tova Friedman.

Tova Friedman wurde 1938 in Polen geboren, und dann wurde sie als Kind mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte - vermutlich durch einen Defekt der Gaskammer. Bei den Todesmärschen im Januar 1945 versteckte sie sich zwischen Leichen und überlebte. Es folgte später die Emigration in die USA. 

Ihr Enkel Aron, den ich mit seiner Mutter hier auf der Tribüne herzlich begrüße, 

(Beifall)

legte für seine Großmutter ein TikTok-Profil an. Dort berichtet Tova Friedman über ihre Zeit in Auschwitz, und sie beantwortet Fragen von Kindern und Jugendlichen. Über eine halbe Million Menschen folgen ihr. TikTok-Kanäle gibt es viele - dieser jedoch ist einzigartig. Weil eine Zeitzeugin sich zu Wort meldet: 

(Einspielung: Videoaufnahme Tova Friedman)

„I had no name. My name was 27633. I was tattooed by a young woman whose hands trembled because she wasn’t happy to tattoo children. And she told me how to take care of it afterwards, so it shouldn’t swell. She gave me a rag with cold water, and she told me to press it tightly, not to rub it. And she said: ‘Remember, this is your name. You better memorize it.’ I didn’t know any numbers. I have never been to school, but I very quickly memorized it because I knew it was different between life and death.“

„Ich hatte keinen Namen. Mein Name war 27663. Ich wurde von einer jungen Frau tätowiert, deren Hände zitterten, weil sie unglücklich darüber war, Kinder zu tätowieren. Sie erklärte mir, wie man es danach behandeln soll, damit es nicht anschwillt. Sie gab mir einen Lappen mit kaltem Wasser und sagte, ich sollte fest drücken, nicht reiben. Und sie sagte: ‚Denk daran, das ist dein Name. Du solltest ihn dir einprägen.‘ Ich kannte keine Zahlen. Ich war noch nie in der Schule, aber ich prägte sie mir sehr schnell ein, weil ich wusste, das machte den Unterschied zwischen Leben und Tod.“

Liebe Frau Friedman! Dass Sie heute hier die Kraft finden, zu uns zu sprechen, zu ermahnen, junge Menschen zu adressieren, das ist ein ganz, ganz großes Geschenk. Ich danke Ihnen, dass Sie sich auf den Weg gemacht haben aus den USA, um zu uns nach Deutschland zu kommen - ein Land, dessen Sprache Sie eigentlich nicht mehr hören wollten. Und Sie sagten - so banal der Satz klingt; aber es steckt so viel dahinter -, Sie haben Angst vor Schäferhunden. - Das drückt sehr viel aus. 

Deshalb sind wir so dankbar, dass Sie mit so viel Energie, mit so viel Warmherzigkeit hierher zu uns nach Deutschland gekommen sind. Und ich danke Ihnen, dass Sie nachher zu uns sprechen werden! Seien Sie uns herzlich willkommen! 

(Beifall)