• Direkt zum Hauptinhalt springen
  • Direkt zum Hauptmenü springen
  1. Startseite
  2. Dokumente
  3. Texte (2021-2026)
  4. 2021
zurück zu: Texte (2021-2026) ()
  • 1. Lesung (Linke)
  • 1. Lesung (Grüne)
  • 2./3. Lesung (Linke), 1. Lesung (AfD, Grüne)
  • 2./3. Lesung (Grüne), 1. Lesung (AfD)
  • 2./3. Lesung (Grüne, Linke)
Recht

Linke will Gewerbe­trei­bende vor Miet­explo­sion schützen

Der Bundestag hat am Donnerstag, 30. Januar 2020, einen Antrag der Fraktion Die Linke mit dem Titel „Kleingewerbe und soziale Einrichtungen vor Mietenexplosion und Verdrängung schützen“ (19/16837) nach erster Aussprache zur weiteren Beratung an den federführenden Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz überwiesen. Die Linke hatte die Federführung beim Ausschuss für Wirtschaft und Energie beantragt, konnte sich gegen die Mehrheit der übrigen Fraktionen aber nicht durchsetzen.

Antrag der Linksfraktion

Die Angeordneten verlangen in der Vorlage unter anderem von der Bundesregierung, dass künftig die Kündigung von Mietverträgen über Gewerberäume ohne besonderen Grund wie den Eigenbedarf oder Zahlungsverzug ausgeschlossen sind. Den Kommunen soll zudem die Möglichkeit eröffnet werden, Gewerbemietspiegel zur verbindlichen Bestimmung der ortsüblichen Vergleichsmiete festzulegen. Außerdem soll eine wirksame Mietpreisbremse für Gewerberäume eingeführt werden, die in angespannten Gewerberaummärkten die zulässige Miethöhe bei Mietbeginn sowie für laufende Mietverträge die maximale Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Gewerbevergleichsmiete begrenzt.

Darüber hinaus sollen die Instrumente des Milieuschutzes im Baugesetzbuch auf die wohnortnahe gewerbliche und soziale Infrastruktur ausgeweitet werden, so dass bei Bedarf diese Instrumente auch für den Erhalt von Kleingewerbe, Handwerksbetrieben, Kultur- und Sozialeinrichtungen genutzt werden können. (hau/30.01.2020)

Reden zu diesem Tagesordnungspunkt

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

© Wolfgang Kubicki/ Tobias Koch

Kubicki, Wolfgang

Bundestagsvizepräsident

()
Pascal Meiser

Pascal Meiser

© Die Linke, Berlin

Meiser, Pascal

Die Linke

()
Jan-Marco Luczak

Jan-Marco Luczak

© Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch

Luczak, Dr. Jan-Marco

CDU/CSU

()
Enrico Komning

Enrico Komning

© Enrico Komning

Komning, Enrico

AfD

()
Michael Gross

Michael Gross

© Deutscher Bundestag/ Inga Haar

Groß, Michael

SPD

()
Katharina Willkomm

Katharina Willkomm

© Katharina Willkomm/Denise Krentz

Willkomm, Katharina

FDP

()
Canan Bayram

Canan Bayram

© Canan Bayram/ Anna Fiolka

Bayram, Canan

Bündnis 90/Die Grünen

()
Paul Lehrieder

Paul Lehrieder

© DBT/ Inga Haar

Lehrieder, Paul

CDU/CSU

()
Ulli Nissen

Ulli Nissen

© SPD-Parteivorstand/ Susie Knoll

Nissen, Ulli

SPD

()
Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

© Wolfgang Kubicki/ Tobias Koch

Kubicki, Wolfgang

Bundestagsvizepräsident

()

Dokumente

  • 19/16837 - Antrag: Kleingewerbe und soziale Einrichtungen vor Mietenexplosion und Verdrängung schützen
    PDF | 254 KB — Status: 28.01.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • Fundstelle im Plenarprotokoll (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Beschluss

  • Überweisung 19/16837 beschlossen

Tagesordnung

Sitzungsverlauf

Herausgeber

Deutscher Bundestag, Online-Dienste

Recht

Forderungen nach Ände­rungen im Miet- und Gewerbe­mietrecht

Der Bundestag hat am Donnerstag, 8. Oktober 2020, erstmals über einen Gesetzentwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Ergänzung mietrechtlicher und gewerbemietrechtlicher Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (19/23116) beraten. Gegenstand der Aussprache war auch ein Antrag der Fraktion Die Linke (19/23112), der eine Entlastung bei der Miete für von der Corona-Krise betroffene Gewerbetreibende fordert. Die Vorlagen wurden zur weiteren Beratung in den federführenden Rechtsausschuss überwiesen.

Gesetzentwurf der Grünen

Jahrelang seien die deutschen Innenstädte nach dem „Prinzip der Mietenmaximierung“ bewirtschaftet worden, schreiben die Grünen in ihrem Gesetzentwurf mit Verweis auf Medienberichte. Dies räche sich nun, zumal die Corona-Pandemie noch zu zusätzlichen Verdrängungsdynamiken in den Städten führe. Bei vielen Gewerbemietern seien durch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus Umsätze weggebrochen und der pandemiebedingt kurzfristig eingesetzte Kündigungsschutz sei mittlerweile ausgelaufen.

In ihrem Entwurf schlagen die Abgeordneten deshalb gesetzliche Regelungen für „besonders schutzwürdige Gewerbemieter“ vor, zu denen insbesondere Kleingewerbemieter und Einrichtungen, die soziale und kulturelle Zwecke verfolgen, zählten. Als Maßnahmen seien unter anderem neue Kündigungsschutzvorschriften und die Übertragung der für den Wohnbereich geltenden Mietpreisbremse auf den Gewerbebereich einzuführen, schreibt die Fraktion.

Antrag der Linksfraktion

Der Vorlage der Linksfraktion zufolge soll die Bundesregierung umgehend einen Gesetzentwurf vorlegen, um Gewerbetreibende für die Zeit der Covid-19-Pandemie bei der Miete zu entlasten. Der Entwurf soll ein Kündigungsmoratorium bei Covid-19-bedingtem Zahlungsverzug für die gesamte Dauer der Pandemie vorsehen. Ein gesetzlicher Anspruch auf Absenkung der Nettokaltmiete um 30 Prozent für Gewerbemieter, die pandemiebedingt von erheblichen Umsatzverlusten betroffen und denen Mietzahlungen in voller Höhe nicht zumutbar sind, soll ermöglicht werden sowie eine darüberhinausgehende Minderungsmöglichkeit nach österreichischem Modell um mindestens die Hälfte der geschuldeten Miete bei behördlichen Einschränkungen des Geschäftsbetriebs zur Eindämmung der Pandemie.

Darüber hinaus soll ein Härtefallfonds, der privaten, kommunalen und genossenschaftlichen Vermietern gewerblich genutzter Räume, die durch pandemiebedingt verringerte Mieteinnahmen in wirtschaftliche Not geraten, schnelle, unbürokratische Hilfen gewähren. (ste/sas/eis/08.10.2020)

Reden zu diesem Tagesordnungspunkt

Petra Pau

Petra Pau

© Deutscher Bundestag/Stella von Saldern

Pau, Petra

Bundestagsvizepräsidentin

()
Canan Bayram

Canan Bayram

© Canan Bayram/ Anna Fiolka

Bayram, Canan

Bündnis 90/Die Grünen

()
Ingo Wellenreuther

Ingo Wellenreuther

© Ingo Wellenreuther/ Tobias Koch

Wellenreuther, Ingo

CDU/CSU

()
Jens Maier

Jens Maier

© Jens Maier/ Privat

Maier, Jens

AfD

()
Rawert, Mechthild

© Deutscher Bundestag / Stella von Saldern

Rawert, Mechthild

SPD

()
Katharina Willkomm

Katharina Willkomm

© Katharina Willkomm/Denise Krentz

Willkomm, Katharina

FDP

()
Pascal Meiser

Pascal Meiser

© Die Linke, Berlin

Meiser, Pascal

Die Linke

()
Alexander Hoffmann

Alexander Hoffmann

© Alexander Hoffmann/ Christian Kaufmann

Hoffmann, Alexander

CDU/CSU

()
Ulli Nissen

Ulli Nissen

© SPD-Parteivorstand/ Susie Knoll

Nissen, Ulli

SPD

()
Petra Pau

Petra Pau

© Deutscher Bundestag/Stella von Saldern

Pau, Petra

Bundestagsvizepräsidentin

()

Dokumente

  • 19/23112 - Antrag: Von der Corona-Krise betroffene Gewerbetreibende bei der Miete entlasten
    PDF | 247 KB — Status: 06.10.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/23116 - Gesetzentwurf: Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung mietrechtlicher und gewerbemietrechtlicher Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches - Mietrechts- und Gewerbemietrechtsergänzungsgesetz -
    PDF | 470 KB — Status: 06.10.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • Fundstelle im Plenarprotokoll (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Beschluss

  • Überweisung 19/23116 und 19/23112 beschlossen
  • 21:44:34: erteilt MdB Nastic, Zaklin (Die Linke) einen Ordnungsruf für einen Zwischenruf in TOP 18

Tagesordnung

Sitzungsverlauf

Herausgeber

Deutscher Bundestag, Online-Dienste

Stadtentwicklung

Wie Einzel­händlern bei Miet­eng­pässen geholfen werden kann

Über die Situation der Kommunen in Zeiten der Corona-Krise hat der Bundestag am Freitag, 6. November 2020, debattiert. Einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „Risikoverteilung bei Gewerbemieten klarstellen – Selbstständige, kleine und mittlere Unternehmen in der Corona-Krise unterstützen“ (19/22898) überwies er nach einstündiger Aussprache zur weiteren Beratung an den federführenden Rechtsausschuss. Ein zweiter Antrag der Grünen mit dem Titel „Unsere Innenstädte fit für die Zukunft machen“ (19/23941) wird federführend im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen erörtert werden.

Abgelehnt wurden Anträge der AfD, der Linken und der FDP. Dem Antrag der Linken „Von der Corona-Krise betroffene Gewerbetreibende bei der Miete entlasten“ (19/23112) stimmten nur die Antragsteller zu, während sich die Grünen enthielten. Den Antrag der AfD „Soforthilfen für Vermieter gewerblich genutzter Räume und Flächen“ (19/18722) lehnten alle übrigen Fraktionen ab. Zu beiden Anträgen hatte der Rechtsausschuss eine Beschlussempfehlung (19/24042) abgegeben. Auf Empfehlung des Wirtschaftsausschusses (19/20208) lehnte der Bundestag einen Antrag der FDP für „vitale Innenstädte“ (19/19118) ab. Nur die AfD stimmte mit den Liberalen dafür, die übrigen Fraktionen votierten dagegen. 

Grüne: Risiken fair aufteilen

Claudia Müller (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, seit dem Frühjahr fege Corona wie ein eisiger Wind die Innenstädte leer. Die Innenstädte würden auch weiterhin unter der Unsicherheit der Menschen leiden. Eine Folge davon werde sein, dass in Zentren noch mehr Ketten das Bild dominieren, denn nur diese könnten die Situation durchstehen.

Gefragt seien nun kluge Konzepte, sagte die Abgeordnete. Während Gewerbemietern die Einnahmen wegbrechen würden, böten Vermieter in den seltensten Fällen Mietminderungen von sich aus an. Die Grünen wollen solche Ausfälle wie Schadensfälle behandeln. Insgesamt gehe es darum, die Risiken der derzeitigen Situation fair aufzuteilen, so Müller.

Linke will ein Kündigungsmoratorium II 

Für die Linksfraktion sagte Caren Lay, viele kleine Einzelhändler stünden mit einem Bein in der Insolvenz. Übrig blieben die immer gleichen Ketten, Fußgängerzonen verwandelten sich in eintönige Konsumhallen. Man wolle jedoch lebendige Innenstädte auch nach der Pandemie. Das Moratorium vom Frühjahr habe geholfen, sei aber leider nicht verlängert worden. „Wer einen Lockdown II beschließt, muss auch ein Kündigungsmoratorium II beschließen.“

Ihrer Ansicht nach ist das deutsche Recht nicht eindeutig in den derzeit brennenden Fragen, genau eine solche Rechtssicherheit bräuchten allerdings besonders die kleinen Unternehmen. Lay plädierte für eine Teilung der Miete, wenn Läden schließen müssen.

AfD: Staatliche Eingriffe der falsche Weg

Nach Ansicht der AfD-Fraktion sind staatliche Eingriffe in bestehende Mietverhältnisse der falsche Weg. Udo Theodor Hemmelgarn sagte, er wolle nicht, dass Mieter und Vermieter in Verteilungskämpfen gegeneinander ausgespielt werden.

Wenn man Zahlungsausfälle ausgleichen wolle, müsse man den Lockdown in dieser Form sofort beenden. Zugleich bekannte er, dass die Probleme von Innenstädten struktureller Art und älter als Corona seien. Hemmelgarn kündigte Anträge seiner Fraktion zu dieser Thematik an.

FDP: Differenzierung tut not

Für Katharina Willkomm (FDP) ist entscheidend, dass Corona-Maßnahmen verhältnismäßig sind. Nur dann würden die Menschen mitkommen. Die Abgeordnete sagte, es sei falsch, zur Problemlösung das Bürgerliche Gesetzbuch umschreiben zu wollen. Der betreffende Paragraf 313 biete jetzt schon alle Möglichkeiten, die Risikoverteilung fair zu gestalten. Der Antrag der Linksfraktion sei undifferenziert und willkürlich.

„Wir müssen das Problem vom Kopf auf die Füße stellen“, sagte Willkomm. Unternehmen und ihre Beschäftigte wollten arbeiten, das müsse so weit wie möglich ermöglicht werden. Bei Schließungsanordnungen müsse berücksichtigt werden, welche Gefährdung tatsächlich von der betreffenden Einrichtung ausgeht – hier tue Differenzierung not.

CDU/CSU verweist auf Hilfen für Unternehmen 

Vertreter von CDU/CSU verwiesen vor allem auf geltende und greifende Hilfen für Unternehmen und lehnten Eingriffe in Gesetze und Recht ab. Für den langfristigen Strukturwandel gebe es bereits runde Tische und andere Foren, um Perspektiven zu entwickeln. Man tue sich schwer, sich den Vorschlägen der Opposition zu öffnen, sagte etwa Carsten Müller (CDU/CSU) mit Blick auf das „hohe Recht“ der Vertragsfreiheit.

Dr. Volker Ullrich (CDU/CSU) sagte, die Situation im Handel sei sehr unterschiedlich. Manche seien gar nicht betroffen, andere müssten ganz schließen. Kein Gesetz könne Einzelfälle lösen. Zugleich bekannte er, dass die Risikoverteilung nicht einseitig zulasten der Mieter gehen dürfe.

SPD: Fonds müssen zur Problemlösung beitragen

Bernhard Daldrup (SPD) erklärte, das Kündigungsmoratorium sei richtig gewesen. Er bedauerte, dass dieses Moratorium im Sommer ausgelaufen ist. Gleichwohl gebe es viele Maßnahmen, die auch Gewerbetreibenden geholfen hätten, wie etwa die Überbrückungshilfen. Nun gebe es eine neue Situation, die nach neuen Lösungen verlange. Bezüglich des grundsätzlichen Problems in Innenstädten, dass ortsspezifischer Einzelhandel vielerorts verdrängt wird, brachte Daldrup die Rolle von „immer dominanter werdenden Immobilienfonds“ ins Gespräch. Diese müssten zum Lösen des Problems beitragen.

Klaus Mindrup (SPD) hob auch auf diese Fonds ab. Mit Blick auf die Fonds sei es richtig, neu über den Paragrafen 313 zu diskutieren, auch mit Blick auf die Rolle von Immobilienfonds.

Erster Antrag der Grünen

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will Selbstständige und Kleinunternehmer unterstützen, die wegen der Corona-Pandemie in Mietzahlungsschwierigkeiten sind. Die Abgeordneten möchten in ihrem überwiesenen Antrag (19/22898) gesetzlich klargestellt wissen, dass behördliche Nutzungseinschränkungen für Gewerbeflächen aufgrund von Corona einen Anspruch auf Vertragsanpassung auslösen – von einer Pachtminderung für den entsprechenden Zeitraum bis zu Sonderkündigungsrechten.

Nach dem Immobilienboom der vergangenen Jahre sei es fair, das Risiko von Corona für Einzelhandel und Gastronomie nicht allein auf die Gewerbetreibenden abzuwälzen, heißt es zur Begründung. Es gehe um eine Verteilung der Risiken. Vermieter sollen im Gegenzug das Recht erhalten, in solchen Fällen die Laufzeit von Immobilienkrediten für betroffene Flächen zu verlängern. So würden auch auf dieser Seite unbillige Härten vermieden, erklären die Abgeordneten weiter.

Zweiter Antrag der Grünen

In ihrem zweiten überwiesenen Antrag (19/23941) fordern die Grünen die Initiierung eines Innenstadt-Krisengipfels, um eine Reihe von Maßnahmen zur Rettung der deutschen Innenstädte in die Wege zu leiten. So solle etwa ein Städtebau-Notfallfonds in Höhe von 500 Millionen aufgelegt werden, der die Kommunen unter anderem dazu in die Lage versetzt, innovative Konzepte zur Entwicklung ihrer Innenstädte zu erstellen.

Auch gelte es, mit einem neuen Gewerbemietrecht Kleingewerbe zu schützen, schreiben die Abgeordneten. Eine weitere Forderung zielt auf die Mobilitätsgestaltung. So sollten etwa Konzepte für barrierefreie fußverkehrs- und fahrradgerechte Innenstädte mit starkem öffentlichem Nahverkehr unterstützt werden.

Abgelehnter Antrag der AfD

Soforthilfen für Vermieter gewerblich genutzter Räume und Flächen forderte die AfD-Fraktion in ihrem abgelehnten Antrag (19/18722). Gewerbliche Vermieter müssten die Möglichkeit erhalten, in Abhängigkeit von der Höhe der coronabedingten Einnahmenausfälle ein befristetes Zahlungsmoratorium für Forderungen aus Kredit- und Darlehensverträgen zu beantragen, das sich auf Zins- und Tilgungszahlungen erstreckt.

Außerdem sollten sie außerhalb bestehender Programme der staatlichen KfW-Bank ein gezieltes Darlehensprogramm zur Unterstützung der Vermieter von Gewerbeflächen erhalten, erklärten die Abgeordneten weiter. Die Darlehen sollten zinslos erteilt werden. Für die Hilfen gelte, dass Vermieter durch die Pandemie bedingte Mietausfälle glaubhaft darlegen.

Abgelehnter Antrag der Linken

Eine Entlastung der von der Corona-Krise betroffenen Gewerbetreibenden bei der Miete sah auch der abgelehnte Antrag der Fraktion Die Linke vor (19/23112). Danach sollte der Bundestag die Bundesregierung auffordern, umgehend einen Gesetzentwurf vorzulegen, der unter anderem ein Kündigungsmoratorium bei Covid-19-bedingtem Zahlungsverzug für die gesamte Dauer der Pandemie sowie einen gesetzlichen Anspruch auf Absenkung der Nettokaltmiete um 30 Prozent für Gewerbemieter, die pandemiebedingt von erheblichen Umsatzverlusten betroffen und denen Mietzahlungen in voller Höhe nicht zumutbar sind, enthält.

Nach Darstellung der Linken gilt das gesetzliche Kündigungsmoratorium für pandemiebedingt nicht gezahlte Mieten nicht mehr, obwohl auch in den kommenden Monaten gerade im Gewerbebereich massive Zahlungsschwierigkeiten drohten. Damit kein Betrieb wegen pandemiebedingter Einschränkungen seine Geschäftsräume verliert, sei ein besonderer Kündigungsschutz für die gesamte Dauer der Covid-19-Krise nötig.

Abgelehnter Antrag der FDP

Die FDP-Fraktion machte sich angesichts der Corona-Pandemie für den stationären Einzelhandel stark. In ihrem abgelehnten Antrag (19/19118) forderten die Abgeordneten unter anderem, dass der stationäre und der Onlinehandel künftig kartellrechtlich gleichbehandelt werden. Auch die Öffnungszeiten wollte die FDP flexibilisieren und unter anderem das Sonntagsverbot für den Einzelhandel gemäß den verfassungsmäßigen Vorgaben lockern.

Um Innenstädte attraktiver zu machen, schlug die FDP sowohl die Rücknahme von Fahrverboten als auch einen besseren öffentlichen Nahverkehr und die Weiterentwicklung von intelligenten Verkehrsleitsystemen vor. Ein eigenes Verkehrszeichen für Ladezonen sollte helfen, Konflikte zwischen fließendem und Lieferverkehr zu vermeiden. (pez/mwo/hau/06.11.2020)

Reden zu diesem Tagesordnungspunkt

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

© Wolfgang Kubicki/ Tobias Koch

Kubicki, Wolfgang

Bundestagsvizepräsident

()
Claudia Müller

Claudia Müller

© Claudia Müller/ Arne Jeschal

Müller, Claudia

Bündnis 90/Die Grünen

()
Carsten Müller

Carsten Müller

© Carsten Müller/ Tobias Koch

Müller (Braunschweig), Carsten

CDU/CSU

()
Udo Theodor Hemmelgarn

Udo Theodor Hemmelgarn

© Udo Hemmelgarn

Hemmelgarn, Udo Theodor

AfD

()
Bernhard Daldrup

Bernhard Daldrup

© Bernhard Daldrup/ Elias Domsch

Daldrup, Bernhard

SPD

()
Katharina Willkomm

Katharina Willkomm

© Katharina Willkomm/Denise Krentz

Willkomm, Katharina

FDP

()
Caren Lay

Caren Lay

© Caren Lay/ Frank Grätz

Lay, Caren

Die Linke

()
Volker Ullrich

Volker Ullrich

© Dr. Volker Ullrich/Tobias Koch

Ullrich, Dr. Volker

CDU/CSU

()
Jens Maier

Jens Maier

© Jens Maier/ Privat

Maier, Jens

AfD

()
Rawert, Mechthild

© Deutscher Bundestag / Stella von Saldern

Rawert, Mechthild

SPD

()
Manfred Todtenhausen

Manfred Todtenhausen

© Manfred Todtenhausen/Stella von Saldern

Todtenhausen, Manfred

FDP

()
Daniela Wagner

Daniela Wagner

© Bündnis 90/ Die Grünen Bundestagsfraktion/ Kaminski

Wagner, Daniela

Bündnis 90/Die Grünen

()
Karsten Möring

Karsten Möring

© DBT/ Thomas Trutschel

Möring, Karsten

CDU/CSU

()
Klaus Mindrup

Klaus Mindrup

© Klaus Mindrup/ Thomas Imo/ photothek

Mindrup, Klaus

SPD

()
Emmi Zeulner

Emmi Zeulner

© Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens

Zeulner, Emmi

CDU/CSU

()
Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

© Wolfgang Kubicki/ Tobias Koch

Kubicki, Wolfgang

Bundestagsvizepräsident

()

Dokumente

  • 19/18722 - Antrag: Soforthilfen für Vermieter gewerblich genutzter Räume und Flächen
    PDF | 244 KB — Status: 22.04.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/19118 - Antrag: Vitale Innenstädte durch starken Einzelhandel - Auch in Zeiten von Corona
    PDF | 257 KB — Status: 12.05.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/20208 - Beschlussempfehlung und Bericht: zu dem Antrag der Abgeordneten Manfred Todtenhausen, Michael Theurer, Reinhard Houben, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP - Drucksache 19/19118 - Vitale Innenstädte durch starken Einzelhandel - Auch in Zeiten von Corona
    PDF | 258 KB — Status: 18.06.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/22898 - Antrag: Risikoverteilung bei Gewerbemieten klarstellen - Selbstständige, kleine und mittlere Unternehmen in der Corona-Krise unterstützen
    PDF | 287 KB — Status: 29.09.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/23112 - Antrag: Von der Corona-Krise betroffene Gewerbetreibende bei der Miete entlasten
    PDF | 247 KB — Status: 06.10.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/23941 - Antrag: Unsere Innenstädte fit für die Zukunft machen
    PDF | 319 KB — Status: 03.11.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/24042 - Beschlussempfehlung und Bericht: a) zu dem Antrag der Abgeordneten Udo Theodor Hemmelgarn, Marc Bernhard, Frank Magnitz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD - Drucksache 19/18722 - Soforthilfen für Vermieter gewerblich genutzter Räume und Flächen b) zu dem Antrag der Abgeordneten Caren Lay, Pascal Meiser, Dr. Gesine Lötzsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. - Drucksache 19/23112 - Von der Corona-Krise betroffene Gewerbetreibende bei der Miete entlasten
    PDF | 283 KB — Status: 04.11.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • Fundstelle im Plenarprotokoll (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Beschluss

  • Überweisung 19/22898 und 19/23941 beschlossen
  • Beschlussempfehlung 19/24042 Buchstabe a (Antrag 19/18722 ablehnen) angenommen
  • Beschlussempfehlung 19/24042 Buchstabe b (Antrag 19/23112 ablehnen) angenommen
  • Beschlussempfehlung 19/20208 (Antrag 19/19118 ablehnen) angenommen

Tagesordnung

Sitzungsverlauf

Herausgeber

Deutscher Bundestag, Online-Dienste

Stadtentwicklung

Anträge zur Förderung der Innenstädte beraten

Der Bundestag hat am Freitag, 27. November 2020, erstmals über zwei Anträge der AfD-Fraktion zu „Innenstädten als Heimatraum“ (19/24658) sowie für die Erhaltung von Innenstädten durch Umnutzung von Gewerbeimmobilien (19/24661) debattiert. Beide Vorlagen wurden zur weiteren Beratung in den federführenden Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen überwiesen.

Abgelehnt wurde eine Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, mit dem sich die Fraktion für Hilfen für Kleingewerbe in der Corona-Krise stark macht (19/22898). Gegen die Vorlage stimmten CDU/CSU, SPD, AfD und FDP gegen das Votum der Grünen bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke. Der Abstimmung lag eine Beschlussempfehlung des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz (19/24501) zugrunde.

Anträge der AfD

Die AfD fordert in ihrem ersten Antrag (19/24658) , ein Förderinstrument zu schaffen, das gezielt der Revitalisierung der Innenstädte dienen soll. Dieses Förderprogramm „Innenstadt als Heimatraum“ soll sich über eine Zeitspanne von fünf Jahren mit einem Gesamtvolumen von 250 Millionen Euro erstrecken. Schwerpunktmäßig sollen Maßnahmen finanziert werden, die sich in absehbarer Zeit selbst tragen, beständig der Fortentwicklung der Innenstadt dienen und ihr somit langfristig ein Überleben sichern.

In einem zweiten Antrag (19/24661) fordert die Fraktion, auf eine Änderung des Bauplanungsrechts hinzuwirken und Ausnahmetatbestände zu schaffen, nach denen Nutzungsänderungen von Einzelhandelsimmobilien leichter genehmigt werden können, sofern die Beeinträchtigungen für die Nachbarschaft nicht über das bisherige Maß hinausgehen.

Antrag der Grünen

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will Selbstständige und Kleinunternehmer unterstützen, die wegen der Corona-Pandemie in Mietzahlungsschwierigkeiten sind. Die Abgeordneten möchten gesetzlich klargestellt wissen, dass behördliche Nutzungseinschränkungen für Gewerbeflächen aufgrund von Corona einen Anspruch auf Vertragsanpassung auslösen – von einer Pachtminderung für den entsprechenden Zeitraum bis zu Sonderkündigungsrechten. Das erklären sie in einem Antrag (19/22898).

Nach dem Immobilienboom der vergangenen Jahre sei es fair, das Risiko von Corona für Einzelhandel und Gastronomie nicht allein auf die Gewerbetreibenden abzuwälzen, heißt es zur Begründung. Es gehe um eine Verteilung der Risiken. Vermieter sollen im Gegenzug das Recht erhalten, in solchen Fällen die Laufzeit von Immobilienkrediten für betroffene Flächen zu verlängern. So würden auch auf dieser Seite unbillige Härten vermieden, erklären die Abgeordneten weiter. (pez/sas/27.11.2020)

Reden zu diesem Tagesordnungspunkt

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

© Wolfgang Kubicki/ Tobias Koch

Kubicki, Wolfgang

Bundestagsvizepräsident

()
Frank Magnitz

Frank Magnitz

© Frank Magnitz/ Janina Buck

Magnitz, Frank

AfD

()
Michael Hannes Kießling

Michael Hannes Kießling

© DBT/ Stella von Saldern

Kießling, Michael

CDU/CSU

()
Hagen Reinhold

Hagen Reinhold

© DBT / Inga Haar

Reinhold, Hagen

FDP

()
Bernhard Daldrup

Bernhard Daldrup

© Bernhard Daldrup/ Elias Domsch

Daldrup, Bernhard

SPD

()
Caren Lay

Caren Lay

© Caren Lay/ Frank Grätz

Lay, Caren

Die Linke

()
Claudia Müller

Claudia Müller

© Claudia Müller/ Arne Jeschal

Müller, Claudia

Bündnis 90/Die Grünen

()
Eckhard Pols

Eckhard Pols

© Eckhard Pols / Jörg Ahlfeld

Pols, Eckhard

CDU/CSU

()
Claudia Tausend

Claudia Tausend

© Claudia Tausend/Marion Hogl

Tausend, Claudia

SPD

()
Petra Pau

Petra Pau

© Deutscher Bundestag/Stella von Saldern

Pau, Petra

Bundestagsvizepräsidentin

()

Dokumente

  • 19/22898 - Antrag: Risikoverteilung bei Gewerbemieten klarstellen - Selbstständige, kleine und mittlere Unternehmen in der Corona-Krise unterstützen
    PDF | 287 KB — Status: 29.09.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/24501 - Beschlussempfehlung und Bericht: zu dem Antrag der Abgeordneten Claudia Müller, Anja Hajduk, Dr. Manuela Rottmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drucksache 19/22898 - Risikoverteilung bei Gewerbemieten klarstellen - Selbstständige, kleine und mittlere Unternehmen in der Corona-Krise unterstützen
    PDF | 288 KB — Status: 19.11.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/24658 - Antrag: Innenstädte als Heimatraum - Lebensfähigkeit entwickeln, Verödung stoppen
    PDF | 273 KB — Status: 25.11.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/24661 - Antrag: Innenstädte erhalten, Umnutzung von Gewerbeimmobilien erleichtern
    PDF | 246 KB — Status: 25.11.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • Fundstelle im Plenarprotokoll (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Beschluss

  • Überweisung 19/24658 und 19/24661 beschlossen
  • Beschlussempfehlung 19/24501 (Antrag 19/22898 ablehnen) angenommen

Tagesordnung

Sitzungsverlauf

Herausgeber

Deutscher Bundestag, Online-Dienste

Recht

Probleme der Gewerbe­mieter beschäftigten Sach­verständige

Um zwei Gesetzentwürfe und einen Antrag zum Thema Mietrecht ging es in einer weiteren Anhörung im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz am Mittwoch, 19. Mai 2021. Auf der Tagesordnung der vom stellvertretenden Ausschussvorsitzenden Prof. Dr. Heribert Hirte (CDU/CSU) geleiteten Sitzung standen ein Gesetzentwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Ergänzung mietrechtlicher und gewerbemietrechtlicher Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (19/23116), ein Antrag der Fraktion Die Linke mit dem Titel „Kleingewerbe und soziale Einrichtungen vor Mietenexplosion und Verdrängung schützen“ (19/16837) sowie ein Gesetzentwurf der AfD-Fraktion zur Einführung einer Schonfristzahlung bei ordentlichen Kündigungen von Wohnraummietverträgen und zur Bekämpfung des Mietnomadentums (19/20589).

Plädoyer für ein spezielles Gewerbe-Kündigungsrecht

Im Zentrum der Stellungnahmen standen die Probleme der Gewerbemieter. Sebastian Bartels vom Berliner Mieterverein schilderte aus seiner Praxis die Schwierigkeiten von Kleingewerbetreibenden und soziale Trägern. Er sprach sich für eine Ausweitung des Kündigungsschutzes und für ein spezielles Gewerbe-Kündigungsrecht aus.

Bei teilweise gleicher Schutzwürdigkeit könne auf das Wohnraummietrecht verwiesen werden. Wie im Wohnraum-, sollten auch im Gewerbemietrecht die Vermieterkündigungen stets an einen Grund gekoppelt werden.

Weitgehend ungeregeltes Gewerbemietrecht

Der Berliner Rechtsanwalt Moritz Heusinger erklärte, das im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) angesiedelte und nicht einmal ausdrücklich geregelte deutsche Gewerbemietrecht stelle sich europaweit als eines der mieterunfreundlichsten gesetzlichen Regelungen dar. Neben weiteren Ursachen führe dies zu einer Verdrängung gerade kleinerer unter das Gewerbemietrecht fallender Unternehmer und Geschäfte aus deutschen Innenstädten.

Der Gesetzesentwurf der Grünen stelle eine dringend erforderliche Anpassung des bislang weitgehend ungeregelten Gewerbemietrechts mit dem Ziel der Wiederherstellung des für den Markt wichtigen Gleichgewichts zwischen Vermieter- und Mieterseite dar.

„Erhebliche Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung“

Dr. Ira Hörndler vom Deutscher Anwaltverein begrüßte den Ansatz, nicht alle Gewerbemieter gleich zu behandeln. Es gebe keine grundsätzlichen Einwände dagegen, Kleingewerbetreibende und soziale Einrichtungen zu schützen. Die vorliegenden Vorschläge würden allerdings zu erheblichen Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung führen.

Bedenken bestünden auch dagegen, die Regelungsdichte im Mietrecht immer weiter zu erhöhen, da dies zu Unübersichtlichkeit und damit Rechtsunsicherheit bei den als schützenswert angesehenen Mietern, aber auch Kleinvermietern führt.

„Gewerbemietspiegel kaum umsetzbar“

Sebastian Klöppel vom Deutschen Städtetag erklärte, die dem Gesetzentwurf der Grünen zugrunde liegende Einschätzung, dass das Instrument der Mietpreisbremse weiter optimierungsfähig und -bedürftig ist, werde geteilt. Das treffe auch auf die Ziele des Gesetzentwurfs und dem Antrag der Linken zu. Dies gelte insbesondere im Falle schutzwürdiger Interessen von Trägern kultureller und sozialer Einrichtungen.

Die geforderte Übertragung mietpreisregulierender Instrumente aus dem Wohnraum-Mietrecht halte der Deutsche Städtetag aktuell nicht für rechtssicher umsetzbar. Der Gesetzentwurf der AfD weise eine Reihe von Parallelen zu den Vorlagen der anderen Fraktionen auf und müsse daher nicht gesondert behandelt werden.

„Novelle des Gewerbemietrechts geeignetes Instrument“

Für Prof. Dr. Carsten Kühl vom Deutschen Institut für Urbanistik ist eine Novellierung des Gewerbemietrechts im BGB grundsätzlich ein geeignetes Instrument zur Unterstützung des Transformationsprozesses in Innenstadtlagen und Stadtteilquartieren. Die in den Vorlagen der Grünen und der Linken angesprochenen Punkte wie Kündigungsschutz und Mietenbegrenzung zielten in die richtige Richtung.

Aus juristischer Sicht werde in Zweifel gezogen, ob die vorhandenen Datengrundlagen ausreichend sind, um die angestrebten mietrechtlichen Veränderungen im Gewerbebereich rechtssicher herbeizuführen, beispielsweise um einen Gewerbemietspiegel zu erstellen.

Vermieter lehnen Verschärfungen ab

Der Präsident des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, kritisierte die im Grünen-Entwurf vorgesehenen zahlreichen Verschärfungen des Wohnraummietrechts im Regelungsbereich der Mietpreisbremse und der ortsüblichen Vergleichsmiete. Diese würden abgelehnt. Zudem sehe der Entwurf für das Gewerberaummietrecht zahlreiche mieterschützende Elemente vor, die es bisher nur im Wohnraummietrecht gibt.

Der IVD lehnt eine Übertragung von Teilen des sozialen Wohnraummietrechts auf das Gewerberaummietrecht ab, auch wenn der angestrebte Schutz nur für kleinere Unternehmer und bestimmte soziale Einrichtungen gelten soll.

„Deutscher Mietmarkt würde weiter geschwächt“

Dr. Kai H. Warnecke, Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund Deutschland, erklärte, die Vorschläge im Gesetzentwurf der Grünen und im Antrag der Linken gingen weit über das Ziel hinaus. Der deutsche Mietmarkt würde dadurch weiter geschwächt. 

Auch Eingriffe in das Gewerberaummietrecht seien sowohl im Hinblick auf die Verödung von Innenstädten als auch vor den aktuellen Entwicklungen aufgrund der Corona-Politik nicht geboten. Es sollte jetzt darum gehen, so Warnecke, gemeinsam die Innenstädte zu revitalisieren, ohne einzelne Gruppen gegeneinander auszuspielen.

„Wirkung der Mietpreisbremse abwarten“

Prof. Dr. Steffen Sebastian von der Universität Regensburg hält immer weitere Verschärfungen zulasten der Vermieter, wie auch im Grünen-Entwurf vorgesehen, nicht für zielführend. Es deute einiges darauf hin, dass es sich bei der jetzigen Situation in Deutschland zu einem großen Teil auch um ein Marktversagen durch eine fehlerhafte Regulierung handelt.

Statt erneut die ewig gleichen Instrumente, die auch in der Vergangenheit nicht geholfen haben, zu verschärfen, sollte den in der laufenden Legislaturperiode beschlossenen Maßnahmen wie der Verschärfung der Mietpreisbremse und der Dynamisierung des Wohngeldes erst einmal Zeit gegeben werden, zu wirken.

Gesetzentwurf der Grünen

Die Grünen wollen mit ihrem Entwurf (19/23116) als besonders schutzwürdig erachtete Gewerbemieterinnen und -mieter stärken, die in angespannten Gewerbemietmärkten mieten oder nach entsprechenden Räumlichkeiten suchen. Der Gesetzentwurf zielt insbesondere auf Kleingewerbemieterinnen und -mieter sowie soziale oder kulturelle Zwecke verfolgende Einrichtungen in Ballungszentren.

Er sieht Kündigungsschutzvorschriften sowie ein Verlängerungsrecht für Kleingewerbemieterinnen und -mieter vor. Die im Wohnbereich geltende Mietpreisbremse solle auch für diese anwendbar sein. Daneben bedürften auch die im Bauplanungsrecht zu deren Schutz  bestehenden Instrumente einer Überprüfung.

Gesetzentwurf der AfD

Der Gesetzentwurf der AfD (19/20589) sieht für die Fälle der ordentlichen Kündigung von Wohnraummietverträgen durch den Vermieter die Möglichkeit einer Schonfristzahlung vor.

Zur Zurückdrängung des Mietnomadentums sollen die Vorschriften der Zivilprozessordnung, welche die Durchführung von Räumungsklagen betreffen, im Sinne eines zügigen Verfahrens gestrafft werden.

Antrag der Linken

Die Linke plädiert in ihrem Antrag (19/16837) für ein Gesetz zur Regulierung von Gewerberäumen, das unter anderem Kündigungen von Mietverträge über Gewerberäume ohne besonderen Grund ausschließt.

Den Kommunen will die Fraktion die Möglichkeit eröffnen, Gewerbemietspiegel zur verbindlichen Bestimmung der ortsüblichen Vergleichsmiete festzulegen und eine wirksame Mietpreisbremse für Gewerberäume einzuführen. (mwo/19.05.2021)

Dokumente

  • 19/16837 - Antrag: Kleingewerbe und soziale Einrichtungen vor Mietenexplosion und Verdrängung schützen
    PDF | 254 KB — Status: 28.01.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/20589 - Gesetzentwurf: Entwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Schonfristzahlung bei ordentlichen Kündigungen von Wohnraummietverträgen und zur Bekämpfung des Mietnomadentums
    PDF | 311 KB — Status: 30.06.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 19/23116 - Gesetzentwurf: Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung mietrechtlicher und gewerbemietrechtlicher Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches - Mietrechts- und Gewerbemietrechtsergänzungsgesetz -
    PDF | 470 KB — Status: 06.10.2020
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Tagesordnung

  • 157. Sitzung am Mittwoch, den 19. Mai 2021, 19.15 Uhr - öffentlich

Protokolle

  • Wortprotokoll

Sachverständigenliste

  • Liste der Sachverständigen

Stellungnahmen

  • Stellungnahme Berliner Mieterverein e.V.
  • Stellungnahme Moritz Heusinger
  • Stellungnahme Deutscher Anwaltverein e.V.
  • Stellungnahme Deutscher Städtetag
  • Stellungnahme Prof. Dr. Carsten Kühl
  • Stellungnahme Immobilienverband Deutschland - Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen e.V.
  • Stellungnahme Prof. Dr. Steffen Sebastian
  • Stellungnahme Haus & Grund Deutschland - Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer e. V.

Weitere Informationen

  • Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz

Herausgeber

Deutscher Bundestag, Online-Dienste

  1. Startseite
  2. Dokumente
  3. Texte (2021-2026)
  4. 2021
zurück zu: Texte (2021-2026) ()
  • Instagram-Kanäle

    • Bundestag (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
    • Bundestagspräsidentin (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
  • LinkedIn
  • Mastodon-Kanäle

    • Bundestag (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
    • hib-Nachrichten (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
  • WhatsApp
  • YouTube
  • Hilfe
  • Kontakt
  • Inhaltsübersicht
  • Instagram-Kanäle

    • Bundestag (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
    • Bundestagspräsidentin (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
  • LinkedIn
  • Mastodon-Kanäle

    • Bundestag (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
    • hib-Nachrichten (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
  • WhatsApp
  • YouTube
  • Barrierefreiheit
  • Datenschutz
  • Impressum

© Deutscher Bundestag

Ausdruck aus dem Internet-Angebot des Deutschen Bundestages

https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw20-pa-recht-mietrecht-regelungen-838874

Stand: 26.01.2026