Parlament

Bundestag erinnert an das Massaker von Babyn Jar in der Ukraine vor 85 Jahren

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben am Freitag, 9. Oktober 2026, einen Anträge der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „85 Jahre Massaker von Babyn Jar – Deutschlands historische Verantwortung für die Ukraine“ (21/8152(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) und der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD mit dem Titel  „85. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar – Erinnerung bewahren, historische Verantwortung stärken und die Ukraine auf ihrem Weg in Freiheit und Sicherheit unterstützen“ (21/8365(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) nach halbstündiger Aussprache angenommen. 

Den Antrag der Grünen stimmten die Antragsteller und die Linksfraktion zu, während CDU/CSU, AfD und SPD sich enthielten. Beim Antrag von Union und SPD stimmten neben den Antragstellern auch die Grünen zu, während die AfD und Die Linke sich enthielten. 

Antrag der Grünen

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will mit dem Gedenken an die Opfer des Massakers von Babyn Jar vor 85 Jahren an die Verantwortung Deutschlands für die Ukraine erinnern. In ihrem Antrag (21/8152(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) fordern die Abgeordneten die Bundesregierung unter anderem auf, mit Bildungsarbeit und Kulturprojekten in der Ukraine und in Deutschland das Erinnern an die deutsch-ukrainische Geschichte zu fördern. Insbesondere solle die Vermittlung der Geschichte des deutschen Vernichtungskrieges in der Ukraine, die Dokumentation von Zeitzeugenberichten sowie der Austausch zwischen Gedenkstätten, Museen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gestärkt werden.

Das Massaker von Babyn Jar am Rande von Kyjiw Ende September 1941 „war eine von NS-Deutschland organisierte und durchgeführte Massenerschießung, die zu den größten Mordaktionen des Holocaust zählt und heute ein besonders grausam herausragendes Zeugnis der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und der barbarischen Kriegsverbrechen der deutschen Nazi-Diktatur in Osteuropa darstellt“, schreiben die Abgeordneten. Mit Blick auf die Gegenwart und den Krieg Russlands gegen die Ukraine sei Deutschland in der Verantwortung, „die Ukraine auf allen Ebenen weiter und stärker bei der Verteidigung ihres Rechts auf Selbstbestimmung, ihrer Unabhängigkeit, ihrer Freiheit, ihrer territorialen Integrität und ihrer Souveränität zu unterstützen“. 

Antrag von CDU/CSU und SPD

CDU/CSU und SPD betonen in ihrem Antrag (21/8365(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) die besondere historische Verantwortung Deutschlands für die Erinnerung an die Opfer von Babyn Jar und an die heutige deutsche Verantwortung für die Ukraine. Anlässlich des 85. Jahrestags der Ermordung von 33.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern am Rande von Kyjiw durch den „Sicherheitsdienst des Reichsführers SS“ und deutsche Besatzungstruppen fordern die Abgeordneten die Bundesregierung auf, die wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation der nationalsozialistischen Verbrechen in der Ukraine und in den weiteren, damals besetzten Gebieten Osteuropas weiter zu unterstützen. Dabei solle insbesondere die Zusammenarbeit deutscher, ukrainischer und weiterer europäischer Archive, Forschungseinrichtungen und Gedenkstätten gestärkt werden. 

Die Verantwortung Deutschlands für die von Deutschen begangenen Verbrechen ende nicht mit dem Gedenken. „Zu ihr gehört auch, sich gegen jede Form von Antisemitismus, Rassismus, Geschichtsrevisionismus und imperialistischer Gewalt zu stellen“, schreiben die Abgeordneten. Die Ukraine solle „weiterhin umfassend politisch, wirtschaftlich, finanziell, humanitär und militärisch bei der Verteidigung ihrer staatlichen Souveränität, Unabhängigkeit und territorialen Integrität gegen den russischen Angriffskrieg“ unterstützt werden. 

Weitere Forderungen zielen auf den Einsatz für „die etwa 20.000 durch Russland verschleppten Kinder und Jugendlichen und deren Rückkehr zu ihren Eltern oder Verwandten“ sowie auf die EU-Beitritts- und die euroatlantische Perspektive für die Ukraine. (ahe/eis/09.10.2026)